Der Beitrag des Religionsunterrichts in der Schule

Woher komme ich? Wozu lebe ich? Wohin gehe ich?

Schülerinnen und Schüler fragen! Sie stellen in Frage, was ihnen begegnet. Sie wollen weiterfragen, nachdenken, sich untereinander austauschen, die Meinungen und Überzeugungen der anderen hören.
Sie stellen die großen Fragen der Menschheit – nach dem Sinn von Leben, nach unserer Herkunft und Zukunft und nach Gott. Sie stellen Fragen, von denen sie vielleicht ahnen, dass sie nicht endgültig zu beantworten sind.

Diesen Fragen Raum zu geben, dafür stehen im schulischen Kontext der evangelische und katholische Religionsunterricht.

Unabhängig von einer religiösen Bindung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lädt der Religionsunterricht die Schülerinnen und Schüler dazu ein, aus der Perspektive des christlichen Glaubens über ihr Leben und die Welt nachzudenken.
Der Gott der Bibel ist ein Gott der leidenschaftlichen Beziehung zu den Menschen. Er

fordert sie heraus, stellt unbequeme Fragen, geht mit in Freude und Trauer.
In dieser Wahrnehmung ordnen sich die Welt und die Stellung des Menschen in ihr neu:
Wie könnte ich mich unter der Perspektive verstehen, dass ich mich nicht mir selbst verdanke? Wie kann das Leben gelingen angesichts von Leiderfahrungen? Welche Chancen und Freiheiten ergeben sich, wenn ich mich als von Gott geliebt und wertgeschätzt annehmen kann?

Der Bildungsgewinn der Lernenden besteht darin, dass die Reflexionsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler gefördert und so die Fähigkeit gestärkt wird, auch in komplexen außerschulischen Situationen mündig, verantwortungsbewusst und tolerant zu handeln. Dabei versteht sich der Religionsunterricht als ein mögliches Deutungs- und Orientierungsangebot und leistet von daher wesensmäßig seinen Beitrag in der Pluralität oder dem Dialog mit anderen auch weltanschaulich neutralen Unterrichtsfächern. Religionsunterricht verzichtet auf Zwang und Aufdringlichkeit und erkennt die individuelle Entscheidungsfreiheit des Menschen an.

Unsere Gesellschaft ist geprägt von einer Fülle christlicher Traditionen, die unser Leben und unsere Kultur prägen. Sichtbar werden sie in Literatur, bildender Kunst, Musik, Architektur, im Rhythmus des Kalenders, im Recht wie in den Medien. In der Auseinandersetzung mit diesen christlichen Wurzeln kann es gelingen, Geschichte zu verstehen und Zukunft aktiv und kreativ mitzugestalten. Der Religionsunterricht ist auf interdisziplinäres Lernen ausgerichtet und es ist ein Gewinn für die Schule, die dort erworbenen Deutungskompetenz in religiösen Fragen auch für andere Schulfächer zu nutzen. Den Prolog in Goethes Faust beispielsweise wird man nur dann umfassend deuten können, wenn man auch das biblische Buch Hiob kennt.

Immer mehr Menschen fragen nach Religion, Spiritualität und geistlichem Leben, weil die Grenzen menschlichen Handelns inzwischen unübersehbar und die Möglichkeiten des Verfügens so weitreichend geworden sind, dass die eigenen Existenzgrundlagen in den Horizont menschlicher Verfügung geraten sind. Religion vermag hier eine wichtige Ressource für die Orientierung von uns Menschen zu sein.

Die Grundlage des christlichen Glaubens ist die Liebe Gottes zu allen Menschen. Sie ist nicht an Bedingungen und Leistungen geknüpft, sondern als Geschenk zu verstehen. Gleichwohl fordert der Glaube die Menschen zu mitmenschlichem Tun und Empathie heraus. Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (Mt. 25,40). Diese

grundsätzliche Solidarität Gottes mit den Schwachen begründet die diakonische Ausrichtung des Christentums. Im Religionsunterricht wird diese Ausrichtung durch diakonische Projekte erkennbar, sie sind ein sichtbares und unverzichtbares Zeichen des Unterrichts.

Besondere Herausforderungen stellen heute der zunehmende religiöse Extremismus und Fundamentalismus dar. Dem Bildungsbereich kommt hierbei die Aufgabe zu, durch Aufklärung und Information diesen vorzubeugen. Grundanliegen des Religionsunterrichts ist damit auch, die Dialogfähigkeit der Kinder und Jugendlichen im Blick auf religiöse Fragen zu fördern. Ein aufgeklärter Umgang mit religiösen Überzeugungen ist Grundvoraussetzung für ein tolerantes Miteinander der Kulturen.

Der Religionsunterricht ist ebenso wie die übrigen Fächer an Rahmenlehrpläne gebunden. In Aufbau und Struktur orientieren sich die Rahmenpläne beider Kirchen am pädagogischen Rahmenkonzept aller schulischen Fächer. Der Rahmenlehrplan für den Religionsunterricht legt deshalb die fachspezifische Kompetenz als religiöse Deutungs- und Handlungskompetenz aus. Die zu erbringenden Standards richten sich auf diese fachspezifischen Kompetenzen. Gerade in einem Land, in dem viele Menschen keine religiöse Bindung haben, ist der Religionsunterricht eine wichtige Bereicherung des schulischen Unterrichtsangebots. Vielleicht ist der Religionsunterricht ja der einzige Ort, um diese Deutungsperspektive einmal kennen zu lernen und neugierig Fragen über Gott und die Welt zu stellen und besprechen zu können. Die Chance zu einer Auseinandersetzung mit Religion sollten jedenfalls alle Kinder und Jugendlichen bekommen.

(Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz/ Erzbistum Berlin: Informationen zum evangelischen und katholischen Religionsunterricht in Brandenburg, 22010, 6-7.) 

 

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